Warum das Thema gerade jetzt ankommt
Digitale Souveränität war lange eine Frage für Behörden. Inzwischen stellt sie sich auch kleinen Unternehmen, aus ziemlich nüchternen Gründen:
- Lizenzkosten steigen.
- Kunden fragen in Ausschreibungen nach dem Speicherort.
- Die Rechtsgrundlage für Datenübermittlungen in die USA ist unsicher: Das aktuelle Abkommen gilt seit Juli 2023 und liegt erneut beim Europäischen Gerichtshof, seine zwei Vorgänger hat das Gericht gekippt.
Dazu kommt ein Zeitfenster, das viele noch nicht auf dem Schirm haben. Der EU Data Act ist seit dem 12. September 2025 anwendbar. Er zwingt Anbieter dazu, den Wechsel technisch und vertraglich zu ermöglichen, und schafft die Wechselentgelte stufenweise ab:
- Bis zum 11. Januar 2027 dürfen Anbieter höchstens die tatsächlich entstehenden Kosten berechnen.
- Ab dem 12. Januar 2027 grundsätzlich gar nichts mehr.
Unberührt bleiben normale Nutzungsentgelte, anteilige Kosten bei vorzeitiger Kündigung und zusätzlich beauftragte Unterstützung.
Warum Sie trotzdem jetzt anfangen sollten
Wenn der Wechsel ab Januar 2027 nichts mehr kostet, liegt der Gedanke nahe, einfach bis dahin zu warten. Für den Umzug selbst stimmt das auch. Für die Vorbereitung nicht: Eine Bestandsaufnahme, die Wahl des neuen Anbieters und ein Umzugsplan, den Ihre Belegschaft mitträgt, brauchen einige Wochen. Wer erst im Januar damit anfängt, zieht im Frühjahr um. Wer jetzt anfängt, ist im Januar bereit.
Die Bestandsaufnahme ändert an Ihrem Betrieb nichts und verpflichtet Sie zu nichts. Sie wissen danach, wo Sie abhängig sind und was ein Umzug kosten würde, und entscheiden dann, ob und wann er sich lohnt.
Wenn Sie vorher selbst einschätzen wollen, wo Ihr Betrieb steht: Der Selbstcheck fragt, welche Programme Sie nutzen, und zeigt Ihnen in etwa drei Minuten, was sich davon ersetzen ließe.
Was Souveränität praktisch bedeutet
Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben, wenn sich Preise, Bedingungen oder die Rechtslage ändern. Dafür müssen Sie wissen, worauf Sie sich eingelassen haben, und die Stellen kennen, an denen ein Ausstieg teuer würde. Alles selbst betreiben oder alles auf einmal ersetzen müssen Sie nicht.
Die rechtliche Bewertung im engeren Sinn übernimmt Ihr Datenschutzbeauftragter oder ein Fachanwalt. Was ich liefere, ist die technische Grundlage dafür: welche Daten wo liegen, wer darauf zugreifen kann und welchem Recht der jeweilige Anbieter unterliegt.
Was ich selbst betreibe
Das meiste, was ich empfehle, nutze ich selbst im Alltag. Meine Dateien, Kalender und Kontakte liegen in einer eigenen Nextcloud auf einem Server in Finnland, gemietet bei einem deutschen Anbieter. Daneben laufen dort mein Git-Server, die Übersetzungsplattform für meine Apps und die Webanalyse dieser Seite.
Nicht alles betreibe ich selbst. Meine E-Mail liegt bei Proton, einem Schweizer Anbieter, weil ein eigener Mailserver mehr Pflege kostet, als er mir bringt. Dieselbe Abwägung treffen wir auch für Ihren Betrieb.
Welche Werkzeuge das sind und was sie bei Ihnen ersetzen würden, steht unter Werkzeuge, die ich selbst nutze. Was es darüber hinaus für jeden Teil von Microsoft 365 gibt, zeigt der Vergleich der Alternativen.